|
Geschichte des Spielens
Glücksspiel hat eine sehr lange Geschichte. Archäologische
Entdeckungen der alten Babylonier (3000 Jahre v. Chr.) haben Objekte
zutage gefördert, die wahrscheinlich für Glücksspiele
verwendet wurden.
Man nimmt an, dass der Ursprung des Glücksspiels in der Wahrsagerei
und Verlosungen liegt. Antike Zivilisationen nahmen Zuflucht zu
unterschiedliche Praktiken um die Stimmung der Götter abzuschätzen
(zum Beispiel deuteten die Griechen den Flug der Vögel und
die Hindus die Form der Wolken). Später wurden die heiligen
Wahrsagerituale verweltlicht und laienhafte Glücksspiele verbreiteten
sich zunehmend. Die Befragung des Schicksals wurde Quelle von Wetten
und Spekulationen.
Die ersten Spielformen die der Lotterie gleichen, entwickelten
sich während römischer Bankette und Festivitäten:
Die reichen Gastgeber verkauften den geladenen Gästen Lose,
mit denen man Preise mit unterschiedlichem Wert gewinnen konnte.
Kaiser August richtete auch eine öffentliche Lotterie ein,
um die Stadt Rom zu verschönern und zu renovieren. Ab dem 15.
Jahrhundert richtete sich die Lotterie zunehmend nach einem öffentlichen
Zweck. Die Könige und Politiker sahen in dieser Art der Belustigung
eine Möglichkeit, um die Vergrösserung ihrer Gebiete und
nützliche soziale Projekte zu finanzieren. In Europa erlaubten
die Fonds der Lotterien wichtige Arbeiten zu finanzieren, wie das
Spital Salpêtrière et le Champs de Mars in Frankreich
oder den Westminster-Turm, die Wasserversorgung Londons und die
Einrichtung von öffentlichen Bibliotheken in England. Die Verleumder
des Spielens, darunter die Kirche, waren machtlos, auch weil ein
grosser Teil der Einnahmen der Finanzierung von "unterstützenden,
vorsorgenden und nützlichen" Projekten der Öffentlichkeit
dienten. Im Laufe der Geschichte wurden verschiedene Spiele (z.B.
Hoca, ein Spiel wo der Gewinner 28 mal seinen Einsatz gewinnen kann)
in mehreren Versuchen untersagt und reetabliert, was von einer gewissen
Ambiguität der Gesetzgeber gegenüber dem Spielen zeugt.
In Frankreich konnten nur fremde und illegale Lotterien untersagt
werden. Die königliche Lotterie, die nach der Revolution zur
nationale Lotterie wurde, wurde 1776 gegründet.
Die ersten Kasinoformen erschienen um das 17. Jahrhundert, parallel
zu Spielbanken, die durch Spielkartenamateure gegründet wurden
und parallel zu Hotels, die Spielmöglichkeiten anboten (Tourismus
und Spa). Mit der Entwicklung der Handelsgesellschaft und der Bourgeoisie
erschienen öffentliche Spielräume. Vor dem 20. Jahrhundert
ergab sich die Popularität von Wetten in all seinen Formen
aus einem sozialen Konsens, wobei Gesetze und Dekrete wirkungslos
gegenüber den Spielprofiten waren. Die schädlichen Auswirkungen
des Spielens auf die Ersparnisse und die Familien wurden ausführlich
dokumentiert und haben viele Beobachter alarmiert. Einige forderten
eine vollständige Abschaffung der Lotterien und Spielbanken.
1907 erlaubte ein Spielgesetz in Frankreich Spielzirkel und Kasinos
in Thermalbädern und Klimakurorten. Der Staat etablierte eine
progressive Abgabe auf den Einnahmen und 1969 autorisierte ein Gesetz
drei neue amerikanische Spiele: Roulette, Black Jack und Seven Eleven.
In Frankreich waren zwei Entscheide sehr wichtig: der Änderungsantrag
Chaban Delmas, der seit 1988 und unter gewissen Bedingungen die
Einrichtung von Kasinos in Städten mit mehr als 500'000 Einwohnern
erlaubt und 1987 die Autorisation durch Charles Pasqua, Geldspielautomaten
nur in Kasinos einzurichten. In dem Moment als alle Kasinos, selbst
die sehr begüterten, in Schwierigkeiten waren und die Anzahl
abnahm, erzeugten diese zwei Entscheide eine erstaunliche Zunahme
der Aktivitäten und die Umsätze steigerten die Einnahmen
des Staates.
Die Situation in der Schweiz
Die Schweiz änderte 1998, aufgrund einer Abstimmung von 1993,
wo sich 70% für die Liberalisierung des Glücksspiels aussprachen,
ihre Politik. Das angestrebte Ziel war die Sanierung der Pensionskassen.
Die Schweizer Gesetzgebung besitzt die Besonderheit, dass Spielbanken,
Lotterien und professionelle Wetten (Lotterien, Sportwetten
und Toto) im Gesetz unterschiedlich behandeln werden. Seit 2000
gibt es 22 Kasinos auf Schweizer Boden, was im Moment der grössten
Dichte an Kasinos pro Einwohner in Europa entspricht. Die wichtigste
Region befindet sich am Genfersee, wo die Schweizer Kasinos in Konkurrenz
mit den Französischen stehen. Diese bedienten die Schweizer
Klientel bis das neue Gesetz 1998 eingeführt wurde (das Gesetz
erlaubt die Eröffnung von Kasinos auf Schweizer Boden). Ein
Änderungsversuch des Gesetzes scheiterte kürzlich. Im
Zuge des Verlustes des Quasimonopols im legalen Glücksspielmarkt
in der Schweiz haben die Lotterien eine starke Konkurrenz durch
die neuen Kasinos erfahren. Sie entwickelten neue Angebote, darunter
vor allem elektronische Lotterie- Automaten. Die Einnahmen der Lotterien
stiegen in den letzten Jahren stark an, parallel zu denen der Kasinos.
|